Junge Union Mannheim im Gespräch mit dem Vor­stand der Grosskraftwerk Mannheim AG

Junge Union Mannheim besucht die Grosskraftwerk Mannheim AG
Junge Union Mannheim besucht die Grosskraftwerk Mannheim AG

Ab 2038 soll Strom in Deutsch­land auss­chließlich durch erneuer­bare Energiequellen erzeugt wer­den. In diesem Zuge zieht eine kon­tro­verse Debat­te durch die Repub­lik, die in irgen­dein­er Form die Frage nach dem ‚richtig oder falsch?‘ auf­greift. Der Kreisver­band Mannheim der Jun­gen Union (JU) besuchte daher die Grosskraftwerk Mannheim AG (GKM), um sich vor Ort einen fak­tenori­en­tierten Überblick zu ver­schaf­fen. Nach ein­er Führung durch den erst 2015 eröffneten Block 9 stellte sich der Vor­stand des Kraftwerks den Fra­gen der Nach­wuch­spoli­tik­er.

„Der Rundgang über das Betrieb­s­gelände offen­barte für uns die Bedeu­tung des GKM für Mannheim und die Metropol­re­gion Rhein-Neckar“, so Philipp Rudi, Kreisvor­sitzen­der der JU. Derzeit ist das Kraftwerk wichtig­ster Fer­n­wärme-Liefer­ant für das rund 800 Kilo­me­ter lange Fer­n­wärmenetz der Region. Die Wichtigkeit wird auch ander­swo deut­lich: Die Deutsche Bahn bezieht als Großkunde rund 15 Prozent ihres Strombe­darfs über das GKM; mit dem Ausstieg aus der Kernen­ergie 2022 dürfte dieser Auf­trag noch größer wer­den. Und den­noch: Bis 2038 sollen alle Kohlekraftwerke in Deutsch­land vom Netz genom­men wer­den und damit auch das GKM – zumin­d­est in sein­er heuti­gen Form. Dazu erk­lärte dessen kaufmän­nis­ch­er Vor­stand Hol­ger Beck­er: „Wir sind der fes­ten Überzeu­gung, dass das Ende der Kohle nicht das Ende des GKM sein wird.“ Möglich sei beispiel­sweise eine schrit­tweise Umrüs­tung auf Gasen­ergie.

Hoch über der Stadt: Auf dem Dach von Block 9
Hoch über der Stadt: Auf dem Dach von Block 9

Unab­hängig davon ist beleg­bar, wieso die Energiewende wie sie derzeit geplant ist, nicht funk­tion­ieren kann: Der aktuelle Leis­tungs­be­darf in Deutsch­land beträgt rund 84 Gigawatt pro Jahr. 2018 kon­nte diese Leis­tung zwar gedeckt wer­den, ab 2022 fehlt allerd­ings der durch Kernen­ergie gewonnene Strom. Es ergibt sich deshalb ein Defiz­it von etwa 16 Gigawatt. „Mit der Kernkraft fällt ein Stück Sicher­heit weg. Wenn die Kohleen­ergie dann auch noch wegfällt, wird es schwierig“, so Beck­er. Und weit­er: „Wir glauben, dass das GKM in sein­er jet­zi­gen Form als Back-Up auch noch über 2038 hin­aus am Netz sein sollte.“ Vor­stand­skol­lege Ger­ard Uyt­dewil­li­gen, ver­ant­wortlich für den tech­nis­chen Bere­ich, wird deut­lich: „Wir müssen gewährleis­ten, dass der Strom da ist, wenn wir ihn brauchen.“ Die Junge Union und der Vor­stand des GKM set­zen sich entschlossen für eine sach­liche Debat­te ein: „Vernün­ftig“ müsse abge­wogen wer­den, sagte Uyt­dewil­li­gen, von gegen­wär­tig „hek­tis­chem Aktion­is­mus“ sprach sein Kol­lege Hol­ger Beck­er. Einigkeit zwis­chen JU und GKM-Vor­stand herrschte auch in Sachen erneuer­bare Energien: „Wir brauchen erneuer­bare Energien, aber wir brauchen auch ein Back-Up-Sys­tem, das unab­hängig von Wind und Wet­ter bei Bedarf ein­sprin­gen kann“, so der Tenor. Als „sowohl als auch, nicht aber entwed­er oder“ beze­ich­nete Beck­er den hybri­den Weg beste­hend aus ein­er auf Basis des Bedarfs nach­halti­gen Ver­lagerung auf erneuer­bare Energiequellen unter Beibehal­tung herkömm­lich­er.

Der Verzicht sowohl auf Kern- als auch auf Kohleen­ergie dürfte indes scher­wiegende Fol­gen haben: „Für die Bevölkerung in Deutsch­land sind län­gere und häu­fig wiederkehrende Stro­maus­fälle abso­lut unvorstell­bar. Allerd­ings tun wir gut daran, genau das her­aufzubeschwören, wenn wir diesen real­itäts­fer­nen Weg weit­erge­hen“, stellte JU-Presseref­er­ent Moritz Plo­hberg­er klar. Hol­ger Beck­er ver­wies auf natur­wis­senschaftliche Gegeben­heit­en, die im aktuellen Diskurs kaum Bedeu­tung find­en: „Eine Lösung des Prob­lems ist nicht in Sicht. Der Strombe­darf wird steigen, die Kapaz­itäten aktuellen Prog­nosen zufolge sinken.“ Weltweit betra­chtet boomt die Kernen­ergie, Deutsch­land ver­schließt sich. Dabei ist Kernkraft im Gegen­satz zur öffentlichen Darstel­lung nach wie vor eine sichere und gle­ichzeit­ig die kli­mafre­undlich­ste Möglichkeit der Stromgewin­nung. In punc­to Kohlekraft gilt das sim­ple Kosten-Nutzen-Prinzip: „Was nützt es uns, wenn wir auf Kohle verzicht­en, uns aber am Ende des Tages der Strom fehlt? Nichts, wir brauchen diese Tech­nolo­gie. Langfristig“, ver­sicherte Philipp Rudi. Vor dem Hin­ter­grund, dass auch Steinkohlekraftwerke, wie es auch das GKM ist, weltweit einen Boom erfahren, erscheint Deutsch­lands Hal­tung in Sachen glob­alem Kli­maschutz nur als Tropfen auf dem heißen Stein. „Wir müssen glob­al denken“, so Katha­ri­na Dörr, Stadträtin und JU-Ehren­vor­sitzende. „Kli­maschutz endet nicht an der Gren­ze zu Frankre­ich und auch nicht an der Gren­ze zu den Benelux-Staat­en, wo nach wie vor voll auf Kernen­ergie geset­zt wird.“ Gle­ich­es gelte für die Kohleen­ergie an den östlichen Gren­zen Deutsch­lands. Allerd­ings dürfe man bei aller Wichtigkeit des Kli­maschutzes keine zusät­zlichen eige­nen Prob­leme gener­ieren.

Infolge der kon­struk­tiv­en Diskus­sion bedank­te sich Philipp Rudi im Namen der Jun­gen Union für die aus­führlichen Ein­blicke und Infor­ma­tio­nen rund um das Grosskraftwerk Mannheim. Für die JU ist klar, dass Strom auch langfristig nicht auss­chließlich aus erneuer­baren Energiequellen stam­men kann. Insofern ist die Bedeu­tung des GKM für Mannheim und Umge­bung auch in Zukun­ft unverän­dert hoch. GKM und Junge Union stim­men übere­in, dass der energiepoli­tis­che Diskurs auf eine sach­liche Ebene zurück­ge­führt wer­den muss. Zudem muss Bewe­gun­gen, wie sie die gegen­wär­ti­gen „Fri­days for Future“-Demonstrationen darstellen, auf Fak­ten­ba­sis der Wind aus den Segeln genom­men wer­den: Den größten Anteil an Kohleen­ergie weisen asi­atis­che Län­der auf, Deutsch­land ist da nur ein kleines Licht. Zudem müssen zwei Fak­toren berück­sichtigt wer­den: Geht es um Umweltschutz, stellt Kernen­ergie die fre­undlich­ste Lösung dar. Geht es um Ver­sorgungssicher­heit, stellt nur ein Mix aus herkömm­lichen und erneuer­baren Energien eine nach­haltige Lösung dar.

JU Mannheim zu Besuch im Grosskraftwerk Mannheim: Energiewende, ja – aber nicht so!
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