Zugegeben­er­maßen war der Titel der Ver­anstal­tung „Warum die CDU nie nur eine kon­ser­v­a­tive Partei war“, ein wenig sper­rig und pro­vokant. Ein­ge­laden hat­te die Christlich-Demokratis­che Arbeit­nehmer­schaft (CDA) Mannheim.

„Uns geht es aber nicht darum zu provozieren.“ erläuterte der stel­lvertre­tende CDA-Vor­sitzende Chris­t­ian Höt­ting in seinem Gruß­wort. „Wir wollen heute Abend nicht darüber sprechen, was die CDU nicht ist, son­dern was die CDU auch ist.“

Als Gas­tred­ner hat­te die CDA den nor­drhein-west­fälis­chen Europaab­ge­ord­neten Den­nis Radtke ein­ge­laden. Dieser hat­te einen Auf­satz mit gle­ich­er Über­schrift ver­fasst und war somit ein Stück weit der Ideenge­ber für die Ver­anstal­tung

Die Erwartun­gen der anwe­senden Gäste wur­den nicht ent­täuscht. In seinen Wort­beiträ­gen klar und deut­lich, kri­tisierte er das oft falsch gemalte Bild vom Kon­ser­vatismus. „Kon­ser­v­a­tiv sein heißt doch nicht, dass man sich als Partei nicht weit­er­en­twick­eln darf. Man muss sich gesellschaftlichen Verän­derun­gen stellen. Dabei kommt es darauf an, dass man diese Verän­derun­gen an gemein­samen Werten fest­macht.“

In diesen Tagen muss oft Hel­mut Kohl als Ikone der Kon­ser­v­a­tiv­en unter dem Mot­to „Früher war alles bess­er“ her­hal­ten. Dass es aber ger­ade Hel­mut Kohl war, der die CDU mod­ernisiert und viele Quer­denker wie Biedenkopf, Geißler und Süß­muth in die Führung der Partei geholt hat, wird oft vergessen. „Hel­mut Kohl hat sich in den 50er Jahren mit­ten in der Pfalz für Empfäng­nisver­hü­tung stark gemacht. Das war keine Selb­stver­ständlichkeit, son­dern rev­o­lu­tionär.“

Sein Faz­it am Ende des Vor­trages: Es komme nicht darauf an, was man verän­dere, son­dern ob es verän­dert wer­den muss und wie man dann verän­dert. Im Rah­men der Diskus­sion gab es darum auch viele engagierte Wort­beiträge zum Profil der CDU, aber auch zu all­ge­meinen Fra­gen der Poli­tik. Die Fra­gen der Teil­nehmer dreht­en sich auch um den Umgang mit der AfD, den Auswirkun­gen des Brex­it und Fra­gen der Lohn- und Arbeits­gerechtigkeit. Let­zteres waren für den ehe­ma­li­gen Gew­erkschaftssekretär Radtke natür­lich Fra­gen, bei denen man merk­te, dass diese ihm unter die Haut gehen. So geißelte er ins­beson­dere die Schein­selb­st­ständigkeit­en bei Pake­taus­lief­er­ern: „Die einzige unternehmerische Entschei­dung, die diese Leute tre­f­fen kön­nen ist die, bei wem sie zuerst klin­geln!“ und das man­gel­nde Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein der Führungse­ta­gen großer Konz­erne: „Glaube doch kein­er, dass die Div­i­den­den sinken, wenn man den älteren Mitar­beit­ern, die nicht mehr kön­nen, einen Pfört­ner-Posten gibt.“ Das soziale Gewis­sen eines Unternehmens erkenne man am Umgang mit den Mitar­beit­ern. „Gebt auch den Schu­la­bgängern mit Haupt- oder Werkre­alschu­la­b­schluss eine Chance.“ Die Fix­ierung auf höhere Schu­la­b­schlüsse oder akademis­che Bil­dung darf nicht den Blick auf die Men­schen versper­ren, die es aus vie­len Grün­den nicht schaf­fen. „Son­st hän­gen wir die Leute ab und dieses Gefühl treibt die Men­schen zur AfD. Das hat übri­gens nichts mit Sozialdemokratisierung zu tun, son­dern ist Teil der christlichen Soziallehre.“

Am Ende mah­nte er, mehr über die eige­nen Erfolge zu sprechen. Es gäbe keinen Grund sich zu ver­steck­en. Sich­er mache man nicht immer alles richtig. Aber eben­so wenig alles falsch.Mit großem Beifall wurde Den­nis Radtke dann zu später Stunde ver­ab­schiedet. Die klaren Worte haben Ein­druck hin­ter­lassen.

Ver­anstal­tung der CDA Mannheim mit Den­nis Radtke MdEP: Mehr über die eige­nen Erfolge sprechen!