“SPD Ahoi!” an einem Abend, zu dem die CDU mit ein­ge­laden hat? Tat­säch­lich gab es das jet­zt im Ost­stadtthe­ater — bei der Bürg­er­sitzung am Rosen­mon­tag. Vor drei Jahren ist sie aus dem Karnevalsemp­fang der CDU-Gemein­der­ats­frak­tion ent­standen und hat sich längst zu ein­er sehr vergnüglichen, rest­los ausverkauften “Best of”-Show mit Beteili­gung viel­er Karnevalsvere­ine entwick­elt. Nun ging erst­mals SPD-Stad­trat Thorsten Riehle in die Bütt.

“Ich bin wohl der einzige Rote hier im schwarzen Haus”, so Riehle. 47 sei er gewor­den, bis er sich nun erst­mals in die Bütt getraut habe, aber ohne die Fas­nacht habe die CDU in Mannheim ja “eh nichts zu lachen”. Gemein­sam, so Riehle, soll­ten die großen Par­tien “der Dummheit den Kampf ansagen”, zusam­men gegen Pop­ulis­mus vorge­hen, denn “wenn der Klügere nachgibt, siegt irgend­wann der Dumme”, mah­nt er. Auch seinem “lieben Fre­und Niko” wid­met er eine Pas­sage (“Bist ein schlauer Bub, kein Pop­ulist”) und sieht ihn klar im Bun­destag — wenn auch erst 2037…

Niko­las Löbel, der CDU-Kreisvor­sitzende, kann darauf aber nicht kon­tern — er ist schon vorher dran, mit dem neuen CDU-Frak­tion­schef Claudius Kranz. Gemein­sam liefern sie sich einen ulki­gen Blödelei-Schlagab­tausch, aber eben­so den Beweis, dass man auch mit pfif­fig-schar­fen Reimen recht­sradikale The­sen gut ent­lar­ven kann.

Das ist es dann aber auch an Poli­tik — nun ja, fast. Denn an solch einem Abend, an dem im Stil der Sendung “Wet­ten dass. . . ?” Ex-Prinz Oliv­er Althausen kostümiert wie Thomas Gottschalk mit Ost­stadtthe­ater-Chefin Car­men P. Lin­ka-Gamil als ulkig-quirlige “Cindy aus Marzahn” mit fröh­lich-flot­ter, zwis­chen­durch fein-iro­nis­ch­er Mod­er­a­tion eine Art Leis­tungss­chau der Fas­nacht präsen­tieren, darf die allerbeste Bütt der Kam­pagne nicht fehlen: Ex-Prinz Frank Hüther mit sein­er grandiosen Trump-Par­o­die. “Make Man­nem great again” ist nicht zu übertr­e­f­fen — zumal wenn zu sein­er Forderung “Man­nemer Dreck für alle, zu allen Mahlzeit­en” Gwen­dolyn Went­zlaff vom Café Mohrenköpfle tat­säch­lich Kost­proben mit Man­nemer Dreck ins Pub­likum wirft.

Zudem hat Pro­tokoller Alexan­der Fleck seine Bütt aktu­al­isiert und erweit­ert, Irmi Benz von der Feu­den­heimer Frauen­fas­nacht amüsiert mit ihren her­rlich-iro­nis­chen Spitzen über joggende Män­ner, das “Spargelstecher”-Tanzpaar Hannes Bach­stein und Eda­nur Öz entzückt das Pub­likum wie das Feue­rio-Tanz­paar Nasse­ria Morales Mar­tin und Justin Roth, dessen schwindel­er­re­gend-ras­ante wie akro­batis­che Hebe­fig­uren die Zuschauer begeis­tern.

Unverzicht­bar an solch einem Abend mit dem Besten, was die Mannheimer Fas­nacht zu bieten hat, sind natür­lich die “Feue­rio-Singers” sowie die “Drei Prinzen” (Ste­fan Hoock, Ste­fan Rin­klef, Rober­to Tron­cone) als stets pri­ma Stim­mungs­garan­ten.

Auch das Ost­stadtthe­ater steuert Beiträge bei, etwa die Ensem­blemit­glieder Knut Frank und Wolf­gang Kerbs mit ein­er Par­o­die auf das “Heute jour­nal” oder ein filmis­ches Gruß­wort des Min­is­ter­präsi­den­ten.

Den schwungvollen Auf­takt besorgt die “Stichler”-Garde aus Sand­hofen, die sog­ar auf der kleinen The­ater­bühne bestens zurechtkommt — und zum mitreißen­den Finale ihren “Dirty Danc­ing” gle­ich dop­pelt zeigen muss. Da ist es gar nicht schlimm, dass wed­er das Stadt­prinzen­paar noch Lud­wigshafens Prinzessin Daniela I. die witzi­gen Wet­tfra­gen, die ihnen Lin­ka und Althausen stellen, richtig beant­worten kön­nen.

© Mannheimer Mor­gen, Redak­tion­s­mit­glied Peter W. Ragge, Mittwoch, 01.03.2017

Foto: Siggi Offen
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Bericht des MM zur CDU-Bürg­er­sitzung am Rosen­mon­tag — “Wet­ten dass..? Mit hawe Spass!” im Ost­stadtthe­ater