Bild Die Zukunft des Euro„Die Zukun­ft des Euro“ – davon han­delte der Vor­trag von Ste­fan Schilbe, Deutsch­land-Chefvolk­swirt der britis­chen Großbank HSBC am 22. Okto­ber im Mannheimer Schloss. Ini­tia­tor der Ver­anstal­tung war Bezirks­beirat Bern­hard Juret­zek vom Ortsver­band Oststadt/Schwetzingerstadt mit Unter­stützung von Wolf­gang Pföh­ler, Niko­las Löbel für den Kreisver­band Mannheim, Prof. Dr. Hans-Jörg Fis­ch­er für den Arbeit­skreis Wirtschaft und Finanzen sowie Alexan­der Fleck für die Mit­tel­standsvere­ini­gung MIT.

Herr Schilbe ver­stand es auf her­vor­ra­gende, kom­pe­tente und humorige Weise den über 70 anwe­senden Zuhör­ern/-innen die aktuellen Entwick­lun­gen in der Euro­zone aufzuzeigen und die Auswirkun­gen auf die deutsche Wirtschaft und unseren pri­vat­en Ver­mö­gen­sauf­bau bzw. die Alterssicherung darzule­gen. Er stellte die Zuhör­er/-innen auf eine noch lange anhal­tende Niedrigzin­sphase ein und nahm Bezug auf die Ankündi­gung von EZB-Präsi­dent Draghi vom sel­ben Tag, alle Instru­mente der Geld­poli­tik über­prüfen zu wollen. Dies bedeute ver­mut­lich eine Ver­längerung der „lock­eren Geld­poli­tik“ der Europäis­chen Zen­tral­bank über Sep­tem­ber 2016 hin­aus. Allerd­ings sei die Infla­tion weit vom angestrebten 2 % — Ziel ent­fer­nt, weshalb die EZB unter Hand­lungs­druck ste­he. Auch real­isiere die Poli­tik v. a. in den hochver­schulde­ten Euro-Staat­en nur sehr zöger­lich die notwendi­gen Refor­men zur Steigerung der Wet­tbe­werb­s­fähigkeit. Hier wurde Frankre­ich als Beispiel genan­nt.

Was bedeuten dauer­haft niedrige Zin­sen für die deutsche Wirtschaft? Ein­er­seits dürfte der Euro rel­a­tiv schwach und deutsche Pro­duk­te damit ver­gle­ich­sweise gün­stig bleiben: Die deutsche Exportwirtschaft dürfte weit­er­hin prof­i­tieren. Allerd­ings verdeut­lichte Herr Schilbe auch, dass trotz Niedrigzin­sen die Kred­itver­gabe in der Euro­zone und in Deutsch­land lediglich mod­er­at gestiegen sei und man von einem Investi­tion­sstau sprechen könne. Die lockere Geld­poli­tik der EZB ver­fehlt also offen­bar ein Ziel, näm­lich die Ankurbelung der Wirtschaft über höhere Investi­tio­nen.

P1230977Was bedeuten dauer­haft niedrige Zin­sen für unsere pri­vate Alterssicherung? Deutsche Spar­er erhal­ten auf die klas­sis­chen Spar­for­men wie Spar­buch, Fest­geld oder Kap­i­tallebensver­sicherun­gen kaum noch Nom­i­nalzin­sen für ihr Erspartes, der Garantiezins auf Kap­i­tallebensver­sicherun­gen wack­elt. Allerd­ings ist der Realzins (Nom­i­nalzins auf das Sparguthaben abzüglich Infla­tion) auf­grund der derzeit sehr niedri­gen Infla­tion immer noch pos­i­tiv, jedoch bedeu­tend niedriger als in den let­zten Jahrzehn­ten der klas­sis­chen deutschen Sparkul­tur. Die deutschen Bürg­er/-innen müssen ihren Ver­mö­gen­sauf­bau grundle­gend über­denken.

Was bleibt als Alter­na­tive zum Spar­buch? Immo­bilien? Die Preise in den deutschen Großstädten stiegen in den ver­gan­genen Jahren stark an; eine Immo­bilien­blase sieht Herr Schilbe in Deutsch­land jedoch noch nicht. Er rech­net mit weit­eren Preis­steigerun­gen, zumin­d­est in attrak­tiv­en Lagen. Aktien? Sind für einen Ver­mö­gen­sauf­bau als Beimis­chung sin­nvoll, allerd­ings müssen Anleger Kurss­chwankun­gen aushal­ten und einen lan­gen Atem besitzen.

Im Anschluss an den Vor­trag entwick­elte sich eine leb­hafte Diskus­sion mit zahlre­ichen Fra­gen der Gäste, z. B.: Warum zögert die amerikanis­che Noten­bank mit der ersten Zin­ser­höhung seit sechs Jahren? Ist an den Aktien­märk­ten eine Blasen­bil­dung zu erwarten? Welche Auswirkun­gen hat die kon­junk­turelle Abküh­lung in Chi­na? Ist in Griechen­land mit einem weit­eren Schulden­schnitt zu rech­nen?

Herr Schilbe beant­wortete dies alles sehr aus­führlich. Als Präsent über­re­ichte ihm Bern­hard Juret­zek wertvolle Investi­tion­sob­jek­te aus unser­er Region: Man­nemer Dreck und eine Flasche Pfälz­er Wein. Anschließend blieb Herr Schilbe noch länger als geplant, um sich bei Sekt und Brezeln weit­eren Fra­gen der Gäste zu stellen.

Beson­der­er Dank geht an Wolf­gang Pföh­ler für seine ein­lei­t­en­den Worte und die Vorstel­lung des The­mas, an Niko­las Löbel für die Mod­er­a­tion und Kanal­isierung der zahlre­ichen Fra­gen sowie an das zuver­läs­sige Organ­i­sa­tion­steam, beste­hend aus Dr. Alfons Schulze-Hagen, Christo­pher Corr, Mareike Damms, Tobias Kuhlmann und Fabi­an-Hagen Leskow.

Bern­hard Juret­zek

 

„Die Zukun­ft des Euro“ – Vor­trag von Ste­fan Schilbe, Deutsch­land-Chefvolk­swirt der HSBC-Gruppe